Heidelbergman 2018

  Wenn ich im Winter Saisonplanung betreibe, ist einer der ersten Termine, den ich mit den Urlaubsplänen und den RSV-Terminen abgleiche, der Heidelbergman. Die Strecke ist sicher eine, auf der ich besonders „schlecht aussehe“, eine Bergziege wäre gefragt auf den 1100 Höhenmetern, die bin ich sicher nicht. Aber es macht einfach jedes Jahr Spaß, eine sehr gut organisierte Veranstaltung in einer schönen kleinen Stadt. 2018 hat gepasst, also habe ich mich angemeldet.

Die Anfahrt ist beim siebten Anlauf kein Problem, auch eine Umleitung um die Innenstadt kostet nur 5 Minuten und 2-3 Nerven extra. Mit dem Rad und der schweren IKEA-Tasche geht es vom Parkplatz an der Uferstraße zum Start an der Theodor-Heuss-Brücke. Die Unterlagen gibt es um 7:40 Uhr ohne Schlange, dafür sind die Schuhbeutel schon aus – kein Problem, ich habe gestern schon eine alte Tasche mit meiner Startnummer gekennzeichnet, das kenne ich schon. Die Wechselzone ist auf der Neckarwiese aufgebaut, dort drapiere ich meine Wechselsachen und laufe die Strecken vom Schwimmausstieg und zum Laufausgang ab. Um halb 9 startet die Wettkampfbesprechung, Neoprenverbot und die wichtigsten Streckenstörungen (parkende Autos in der Schlossstraße) – aber auch die neue Windschattenregel der DTU mit der 12-m-Box und den 25-s-Überholvorgängen auf der Radstrecke wird angesprochen. Das kann man hier eigentlich getrost sofort wieder vergessen.

Zehn vor neun setzt sich der Tross bei leicht bedecktem Himmel zu Fuß in Bewegung, entlang des Ufers und über die Alte Brücke zum Schwimmeinstieg am „Hackteufel“. Dort kann man in besagtem Beutel die Schuhe abgeben, ich diesmal auch ein T-Shirt. Obwohl man an einigen Stellen in diesem Bereich des Neckars bequem stehen kann, gehen erst viertel nach neun die Ersten ins Wasser, keiner will im Wasser kalt bekommen. Pünktlich um halb zehn erfolgt der Startschuss und es geht unter besagter Alten Brücke durch los. Ich schaue immer, dass mir von rechts keiner zu nahe kommt, ein Tritt in die angeknacksten Rippen wäre vielleicht schon das Ende des Trias. Das Wasser ist klarer als einige Baggerseen die ich kenne, zwei Meter kann man ohne Probleme sehen. Die Strömung ist wie erwartet leider schwach. Zusammen mit dem in den letzten Wochen geringen Trainingsumfang und dem sehr vorsichtigen Schwimmen bin ich glatt sieben Minuten langsamer heute als letztes Jahr. Das ist egal, ohne Krämpfe schaffe ich diesmal die hohe Ausstiegsstufe und streife im Laufen zum Fahrrad das mitgenommene Grünzeug ab, das in der Nähe des Ausstiegs reichlich wächst.

Die Radstrecke verläuft auf dem ersten Kilometer wieder auf der Uferstraße gleich dem Marsch zu Beginn, dann geht es über das Kopfsteinpflaster der Alten Brücke in die Innenstadt, am Rand des Marktplatzes vorbei zur Schlossstraße und damit beginnen dann die „Prozente“. Ich habe ein neues Rad dabei dieses Jahr mit kleineren Gängen und nutze das auf den eingestreuten 15%, 16% und der langen 12%er-Strecke am „Unteren Sankt Nikolausweg“ aus, die Wattanzeige pendelt dort zwischen 275 und 325 Watt. Ich werde mehr überholt als umgekehrt, viele davon Staffelfahrer, deren Schwimmer fünf Minuten nach uns gestartet sind. Ein Teil der Strecke ist durch den Wald schattig, das hilft, denn mittlerweile heizt uns die Sonne kräftig ein. Nach den langen Anstiegen kommen die verdienten Abfahrten, die teilweise spektakulär befahren werden. Mein Garmin zeigt später 83,2 km/h als Maximum an – aber da gibt es noch ganz andere Kaliber. Bei der Bergabfahrt werde ich überrundet und ein spannender Moment ist das fast im Stillstand erfolgende Abbiegen der Führenden an einer Stelle, wo der Rest des Feldes gut 60 km/h drauf hat – in meinem Umfeld geht alles gut. Die zweite Runde ist bei mir fast exakt gleich schnell wie die erste – auf der Abfahrt noch mal eine spannende Situation, als ein Vorausfahrender in der Schlossstraße den Bürgersteig mitnutzt, weil er zu schnell in die Serpentine fährt, aber auch hier bleibt es beim Schrecken, kein Sturz. Nach der Schüttelpassage über die Alte Brücke geht es eben zurück zur Wechselzone, Zeit für ein Gel und den Rest der zweiten Flasche.

Die Laufstrecke ist noch keinen Kilometer alt, als der Philosophenwegs mit dem steilen Serpentinenstück entlang der Villen mit Schlossblick beginnt. Zum Glück versteckt sich die Sonne gerade, so dass sich die letzte Woche im Raum stehende Frage, ob ich bei über 30 °C überhaupt laufen soll, nicht stellt. Nach gut zwei Kilometern geht es in den Wald und der Anstieg bis etwa Kilometer 4 ist moderat, mit einer Getränkestelle als Zwischenstopp. Es läuft im doppelten Sinne problemlos, ich bin guter Dinge. Kurz vorm Wendepunkt führt der Weg noch einmal leicht bergab, dann beginnt der Rückweg. Lustigerweise machen sich bergab die Rippen nochmal richtig bemerkbar. Ich zähle die ganze Zeit Überholte und Überholende und komme auf über 4:1 – ein langsamer Radfahrer zu sein, hat auch Vorteile. Ich nutze die Zuschauer, freue mich über Anfeuerungsrufe und horche auf Krämpfe, die mich letztes Jahr noch so behindert haben. Nichts passiert, völlig erledigt aber ohne Probleme komme ich nach 3:07 Stunden in Ziel. Was ich erst später sehe, denn dieses Jahr zählt: geschafft! Vor vier Wochen, nach dem Knacks der Rippen, hätte ich das nicht geglaubt und bei den 35 °C der zurückliegenden Woche kamen neue Zweifel auf.

Im Zielbereich stelle ich mich zuerst in die Schlange für die Massage, bevor es noch einen Drink und ein paar Apfelschnitzen gibt. Dann mache ich mich auf den Weg nach Hause. Der Stau in der Baustelle bei Karlsruhe wegen eines liegengebliebenen Autos kostet mich mehr Zeit als der Lauf, aber die Laune kann das nicht drücken…

Text/Bilder: Jochen Mönsch

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